PRAXIS FÜR PSYCHOTHERAPIE · FRANKFURT
Schematherapie
Dr. Christina Archonti · Psychologische Psychotherapeutin
PRAXIS FÜR PSYCHOTHERAPIE · FRANKFURT
Dr. Christina Archonti · Psychologische Psychotherapeutin
Die Schematherapie ist eine aktuelle Weiterentwicklung der kognitiven Verhaltenstherapie
durch Jeffrey E. Young.
Die Schematherapie versteht sich als integratives Verfahren, in dem kognitiv-verhaltenstherapeutische und psychodynamische Ansätze in einer überaus wirkungsvollen
Weise miteinander kombiniert werden.
Der Fokus der Therapie liegt in der lebensgeschichtlichen Entwicklung von hinderlichen Reaktionsmustern, »Wunden«, »Lebensfallen« »Verletzbarkeit«, die eine dysfunktionale- »ungesunde« Reaktionsbereitschaft aufrecht erhalten: negative Schemata.
Ein negatives Schema kann wie eine körperliche Wunde unbewusst bleiben, — solange man die Wunde nicht berührt, d.h. solange die Schemata nicht aktiviert werden. Die meisten Menschen sind sich ihrer negativen Schemata gar nicht bewusst und reagieren sehr verwundert, wenn im Erwachsenenalter plötzlich ganz ungewohnte Erlebensweisen auftauchen, die sie von sich sonst nicht kennen, z.B. starke Ängste, Panikanfälle, körperliche Beschwerden, Schmerzen o.ä. Da Menschen für das, was um sie herum geschieht eine Erklärung brauchen, suchen sie mit dem Verstand im aktuellen Umfeld nach Ursachen für diese Gefühlsaktivierungen.
Als »Verletzbarkeit« kann ein Muster beschrieben werden, das in der Kindheit entsteht und sich während des ganzen Lebens eines Menschen in bestimmten Situationen immer wieder manifestiert.
In der Folge kommt es aufgrund des Bemühens des Betreffenden, seine Symptome zu vermeiden, zu einer Einschränkung im normalen Lebensfluss (durch Meidung einer normalen Alltagssituation) und zunehmenden emotionalen Beeinträchtigung, Trauer, weil man nirgends mehr hin kann, Scham wegen der unverständlichen Gefühle und Verständnislosigkeit des Umfelds führt.
Häufig lösen Lebensveränderungen — positive wie negative — eine
Schemaaktivierung aus, die sich vor allem bei positiven Ereignissen
in unverständlichen (irrationalen) negativen Reaktionsmustern zeigt:
etwa wenn starke Ängste zu einem Zeitpunkt auftreten, in dem eigentlich
alles bestens läuft, z.B. nach Antritt einer neuen Stelle- die man unbedingt
haben wollte-, nach der Geburt eines erwünschten Kindes u.a.
Bei negativen Ereignissen, etwa nach einer Trennung, ist der Betreffende und sein Umfeld hingegen leicht versucht jede noch so extreme Verhaltensweise
als verstehbare Reaktion auf dieses Ereignis zurückzuführen und es wird erst im
zeitlichen Verlauf deutlich, dass das Problem weit über eine »normale« Reaktion
hinaus geht.
Diese dysfunktionalen Verhaltensmuster entstehen in der uns prägenden
Lebensphase der Kindheit und Jugend, durch Erfahrungen mit den für unsere
Entwicklung wichtigen Menschen, in erster Linie nahe stehende Bezugspersonen
wie Eltern, Großeltern und Geschwister, später auch Gleichaltrige und das sonstige
unmittelbare soziale Umfeld.
Diese Erfahrungen können als »permanent übersehen«, »nicht beachtet«, »vernachlässigt«, »Verlassen/im Stich gelassen« »übermäßig kritisiert«, »missbraucht oder misshandelt«, »ausgeschlossen« oder auch »übermäßig behütet« »zu wenig Grenzen gesetzt bekommen« umschrieben werden.
Hinter diesen Umschreibungen können sich ganz unterschiedliche Erfahrungen verbergen.
Hierzu zählen:
Die Schematherapie ermöglicht ein Verstehen dieser »irrationalen Handlungen« vor dem Hintergrund der lebensgeschichtlichen Prägung, ein Erkennen und Wiedererkennen der grundlegenden Bedürfnisse und das Erlernen und Anwenden wirkungsvoller — im Hier und Heute passender und zum Ziel führender — Reaktionen.
Wie in der kognitiven Verhaltenstherapie wird die Lerngeschichte von hinderlichen oder störenden Verhaltensmustern fokussiert, allerdings liegt die Betonung und therapeutische Einbindung wesentlich stärker auf die den Bewältigungsmustern zugrunde liegenden emotionalen Prozessen.
In einer Schematherapie werden diese emotional gefärbten Verhaltensmuster gezielt aktiviert und erst damit geklärt.
Dabei spielt die bewusste Reaktivierung von unbewusst wirkenden Erinnerungen lediglich die Rolle, das heutige Verhalten vor diesem Hintergrund zu verstehen.
Die Benennung z.B. des Unrechts der damaligen Ereignisse, dient der Entlastung des Betroffenen, die ihm hilft, jetzt einen neuen, gesunden Weg zu gehen und neue, sinnvollere, innere Leitsätze für sich zu erstellen.
Zu erkennen und zu benennen, dass das Handeln der damaligen Bezugspersonen kurzsichtig, falsch oder schädigend war, wird keinesfalls als eine heutige Schuldzuweisung an die Bezugspersonen (Eltern/sonstiges Umfeld) eingesetzt und sollte auch nicht so verstanden werden.
Wo es nötig ist, kann eine solche Abgrenzung jedoch auch helfen, sich von heute noch bestehenden unangemessenen Ansprüchen z.B. der Eltern zu distanzieren, den zur Weiterentwicklung notwendigen Ablösungsprozess zu begleiten und somit ein emotional erwachsenes Leben zu erreichen, in dem ein gesundes Gleichgewicht zwischen eigenen Bedürfnissen und Anforderungen von außen besteht.
Mit Hilfe der Psychotherapeutin werden nach der klärenden Phase wirkungsvolle Verhaltensweisen zur persönlichen Weiterentwicklung, gewissermaßen der gesunde Wechsel vom biografisch geprägten Gefühlszustand (z.B. »als ob man immer noch das hilflose Kind wäre«) in den aktuellen, im »hier und jetzt« stattfindenden Zustand, erarbeitet und angewendet.
Literatur:
E. Roediger: Was ist Schematherapie. Junfermann Verlag, 2009
E. Roediger: Praxis der Schematherapie. Schattauer, 2008
J.E. Young & J.S. Klosko: Sein Leben neu erfinden. Junfermann Verlag
